Studie zu Lieferketten, Inflation und Verbraucherverhalten

Die NORD/LB hat in einer aktuellen Studie zur deutschen Ernährungswirtschaft die Gründe und Auswirkungen der Preisentwicklungen bei Produzenten und Verbrauchern genau unter die Lupe genommen. Dabei gibt es überraschende Entwicklungen.
Die Studie zeigt dabei deutlich: Die Branche ist durch unterbrochene Lieferketten, dadurch fehlende Rohstoffe und höhere Energiepreise gekennzeichnet. Dies führte schon im Rahmen der Corona-Pandemie zu höheren Erzeugerpreisen. Der Ukraine-Krieg hat dies aber nochmals deutlich verschärft.
Die Wertschöpfungskette der Ernährungswirtschaft ist neben den Energiepreisen von der massiven Steigerung der Kosten für Betriebsstoffe und Düngemittel in der Landwirtschaft betroffen. Die NORD/LB nennt eine Kostensteigerung von 33,9 Prozent für landwirtschaftliche Güter von Juni 2021 bis Mitte 2022. Auch Verpackungsmaterial – ebenfalls von steigenden Energiepreisen betroffen – hat sich deutlich verteuert. Verpackungen aus Papier und Pappe haben sich bis zu 29,2 Prozent verteuert, auch Glas stieg im Preis. Die Studie zeigt aber auch, dass besonders große Erzeugerpreissprünge bei Produkten beobachtet werden, deren Umsatz eher gering ist, etwa bei Ölen und Fetten sowie Stärke und Mahlerzeugnissen.
Die Studie weist auch sehr detailliert die Anteile der verschiedenen Produktgruppe an der Inflation nach. Obst und süße Produkte sowie Getränke verzeichnen dabei recht moderate Preissteigerungen zwischen Juni 2021 und 2022. Brot, Fleisch und Molkereiprodukte liegen im Mittelfeld und die Preissteigerung von Ölen und Fetten ist mit 43,1 Prozent im Vergleichszeitraum am höchsten.
Im zweiten Teil untersucht die Studie die Auswirkungen der Preisentwicklungen auf das Verbraucherverhalten. Dabei wird deutlich, dass Qualität und Nachhaltigkeit bei Verbrauchern noch immer wichtige Kaufkriterien sind. Mehr und mehr werden jedoch Wege gefunden, massive Preissteigerungen an der Kasse zu umgehen.
„Es ist nachvollziehbar, dass sich die aktuelle Situation in höheren Verbraucherpreisen niederschlägt. Konsumenten passen ihr Einkaufsverhalten an – auch, weil mit noch höheren Ausgaben für Energie gerechnet werden muss. Die Preise werden zukünftig wohl noch weiter steigen und die Verbraucher wissen das auch. Handelsmarken und Discounter werden aus unserer Sicht daher eine noch wichtigere Rolle beim Einkauf spielen. Produzenten sollten dies in der Zukunft beachten, dabei den ethischen Anforderungen der Verbraucher gerecht werden und ein glaubwürdiges Narrativ zu ihren Produkten kommunizieren.“
Dr. Eberhard Brezski, NORD/LB Sector Strategy/Regionalwirtschaft (Autor der Studie)