Medien-Information
Vollversammlung der IHK
Wissenschaftsminister Falko Mohrs fordert europäisches Selbstbewusstsein
12/2025 vom 06. März 2025
Angesichts der aktuell prekären Beziehungen zwischen Europa und den USA fordert Niedersachsens Minister für Wissenschaft und Kultur, Falko Mohrs (SPD), mehr europäisches Selbstbewusstsein bei Entscheidungen und Strategiebildungsprozessen. Der Politiker war am Dienstag zu Gast auf der Vollversammlung der Oldenburgischen Industrie- und Handelskammer (IHK). Es müsse nun politisch stärker als noch zu Zeiten des Wachstums in den Blick genommen werden, „was zwingend notwendig ist“ und welche Standards man sich weiter leisten könne. „,Nice to have‘ ist etwas, was wir uns in den nächsten Jahren auf jeden Fall nicht mehr leisten können.“
Ohne Innovation gebe es keinen Wohlstand und gleichzeitig könne man ohne Wohlstand nicht in Innovationen investieren, schlug Mohrs den Bogen zur Wissenschaft. Vor diesem Hintergrund werde es Nachjustierungen in der Wissenschaftspolitik geben. „Wir sind davon überzeugt, dass unsere Hochschulen in zehn Jahren anders aussehen müssen als heute.“ Deshalb würden den niedersächsischen Hochschulen insgesamt 265 Millionen Euro zur Schärfung ihrer Profile zur Verfügung gestellt. „Wir brauchen Klarheit, wofür wir stehen, weil wir auch erleben, dass uns Abiturienten in andere Bundesländer verloren gehen.“ Somit verliere man auch Studienabsolventen. „Das kann beides für uns als Wirtschaftsstandort nicht unser Ziel sein“, stellte der Minister klar.
Die Förderinitiative sei eine „Riesenchance für eine Region mit Hochschulen, die jeweiligen Partnerschaften zu identifizieren und auszubauen“. Den Unternehmern auf der Vollversammlung riet Mohrs, die Nähe zu den Hochschulen zu suchen. „Nach meiner Meinung funktioniert Transfer dann am besten, wenn es in Partnerschaft zusammen passiert. Nur dann ist die Brücke von dem, was in der Wissenschaft passiert, zu Ihnen in der Anwendung möglichst klein.“
Nach einer Diskussionsrunde mit dem Minister hat sich die Vollversammlung mit dem geplanten Teilneubau der IHK an ihrem Standort an der Moslestraße 6 in Oldenburg befasst und einstimmig beschlossen, die Planung mit dem Gewinner des Wettbewerbs, kbg architekten aus Oldenburg, fortzusetzen. Das Ziel: In der Sitzung des Gremiums im September soll eine belastbare Investitions- und Finanzierungsübersicht zur Entscheidung vorgelegt werden. Bei Zustimmung durch die Vollversammlung im September könnten die Genehmigungs- und die Ausführungsplanung angeschoben werden. Möglicher Baubeginn wäre dann im Sommer/Herbst 2026, die Fertigstellung im Sommer/Herbst 2028.
Ebenfalls einstimmig hat die Vollversammlung der weiteren finanziellen Unterstützung des Vereins „pro:connect“ in Höhe von insgesamt 78.327 Euro für den Zeitraum Oktober 2025 bis September 2028 zugestimmt. Der Verein hat das Pilotmodell „Ausbildung 1+2“ initiiert, das eine Ausbildung im Betrieb und den Besuch der Berufsschule mit zusätzlicher Deutschsprachförderung und weiterer Förderung (in der Berufsschule) kombiniert. Das Projekt richtet sich an Geflüchtete und wird neben dem Standort BBS Wechloy jetzt auch an der BBS Rostrup im Ammerland angeboten. Die Oldenburgische IHK arbeitet mit „pro:connect“ seit der Vereinsgründung 2015 sehr eng und erfolgreich zusammen. Im Zuge einer geplanten Ausweitung des Projekts ist Delmenhorst als weiterer Standort angedacht. „Es lohnt sich, das Modell auf weitere Schulen zu übertragen“, betonte IHK-Präsident Jan Müller.
In einer abschließenden Diskussion, unter anderem zur zurückliegenden Bundestagswahl, kritisierte Müller, dass „dieser Wahlkampf nicht wirklich mit wirtschaftspolitischen Themen geführt worden“ sei. Im Wesentlichen hätten innere Sicherheit und Migration die Debatte bestimmt. In diesem Zusammenhang verwies er auf das Positionspapier „5 Power-Punkte für Wachstum“ der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK). Vollversammlungsmitglied Simon Tabeling forderte mehr „Verlässlichkeit“ seitens der Politik, um Unternehmensentscheidungen zu treffen. „Das ist ein Thema, bei dem unsere Bundesregierung wieder Vertrauen schaffen muss.“ Für ein Ende des „Mikromanagements“ in Deutschland sprach sich Vollversammlungsmitglied Jan Meyer aus. Man müsse wieder „anpacken und voranschreiten“.
Zum Positionspapier „5 Power-Punkte“: https://www.dihk.de/de/themen-und-positionen/wirtschaftspolitik/5-power-punkte-fuer-wachstum-