Stormarn: Gründergeist-Gen in der Familie

Filmemacher mit 13 Jahren

Seine Klassenkameraden konsumieren Social Media oder daddeln mit der Spielkonsole. Conner Pirck produziert dagegen lieber Image- oder Eventfilme für Unternehmen. Ende 2024 machte sich der 13-Jährige damit selbstständig.
Bill Gates war 14 Jahre alt, als er sein erstes Unternehmen gründete. Conner Bradley Pirck war noch ein Jahr jünger, als er im November 2024 ein selbstständiges Gewerbe anmeldete. Für die Gründung seiner Film-Produktionsfirma CB Prod brauchte er im Gegensatz zu „Mister Microsoft“ zusätzlich die Zustimmung seiner Eltern und des Familiengerichts. Diesem war dabei wichtig, dass seine schulischen Leistungen nicht unter seiner unternehmerischen Tätigkeit leiden würden. Das konnte der Gymnasiast aus Ammersbek im Kreis Stormarn mit guten Noten nachweisen.
Entfacht wurde seine Leidenschaft fürs Filmemachen bereits mit fünf Jahren: Völlig fasziniert konnte er einem Kameramann bei einem NBA-Basketballspiel in Orlando über die Schulter schauen. Seine Eltern schenkten ihm daraufhin eine kleine Action Cam, später folgten das erste professionelle Equipment, eine Drohne und Sony-Kamera. 2019 begann Conner mit Drehs von kurzen Videos, drei Jahre später durfte er auf einem großen Firmenevent in Dubai zum ersten Mal mitfilmen. Seitdem dreht er auch für das Unternehmen seines Vaters Instagram-Reels und Imagefilme. Für die Postproduktion hat er einen eigenen Schnittplatz in seinem Zimmer. Die Technik dafür hatte er sich mit Hilfe von Profi-Kameraleuten und Erklär-Videos im Internet selbst beigebracht.
Kreativität, Selbstvertrauen und Leidenschaft machen das Alter zweitrangig.
Kirsten Pirck
Den Durchbruch schaffte Conner mit zwei After Movies zu großen Vertriebsseminaren in Bonn und Hamburg, zu denen er ebenfalls seinen Vater begleitete. Dafür konnte er zum ersten Mal „vierstellige Rechnungen“ stellen. „Da gab es bei der Präsentation der Filme vor 2.000 Gästen sogar standing ovations und zahlreiche Interessenbekundungen von einem Juwelier bis zu einer Fahrschule“, betont sein Vater Lars-Hendrik Pirck stolz. Den Auftrag, einen Trailer für ein Webinar herzustellen, hat Conner bereits umgesetzt.
Das Gründergeist-Gen wurde ihm von seinen Eltern in die Wiege gelegt: Seine Mutter Kirsten hat als gebürtige Amerikanerin eine ausgeprägte „Mach-Dein-Ding“-Mentalität. Sie hat bei Conner und seiner älteren Schwester bereits im jungen Alter eine positive Denkweise entwickelt, die durch autonomes Handeln und keine Angst vor Herausforderungen oder möglichem Scheitern geprägt ist. Die Bedenken, ihr Sohn sei möglicherweise zu jung und damit für seine Rolle als Jungunternehmer überfordert, hält Kirsten Pirck für unangebracht: „Kreativität, Selbstvertrauen und Leidenschaft machen das Alter zweitrangig!“
Sein Vater wagte den Schritt ins selbstständige Unternehmertum nach einem Urlaub in den USA. Zunächst vermarktete der damals 22-jährige Betriebswirtschaftler US-amerikanische Produkte in Deutschland. Heute entwickelt er mit seiner CAICON GmbH in Ahrensburg Merchandising- und Werbeartikel namhafter Firmen. Früh hätten die Eltern ihre Kinder ganz bewusst auf Veranstaltungen, Seminare und längere Reisen mitgenommen, „um ihren Horizont zu erweitern, ihre Stärken zu entfalten und den richtigen Mindset zu entwickeln“.
„Es ist doch bezeichnend, dass es in Deutschland nicht mal eine statistische Erfassung der minderjährigen Unternehmer gibt“, beklagt Lars-Hendrik Pirck. In der Schule herrsche noch immer eine wirtschafts- und unternehmerferne Haltung vor. „Sie kommt von Beamten mit sicheren Jobs, die nie ein Unternehmen von innen gesehen haben.“ Ökonomische Themen müssten bundesweit spätestens in die Lehrpläne der achten und neunten Klassen viel stärker einfließen. Die IHK zu Lübeck, deren Präsidium Pirck angehört, setze genau da an und lege einen Fokus auf die Politikberatung der Landesregierung für mehr Unternehmertum. Nach der Schule schreckten potenzielle Gründer vor allem schwierige Nachfolgeregelungen, zurückhaltende Kreditvergaben und zu viel Bürokratie ab. „Leistungsbereitschaft muss sich in unserem Land wieder mehr lohnen“, fordert der 49-jährige Unternehmer.
conner-pirck
Conner bestätigt die Aussagen seines Vaters: Mitschüler hätten ihn als „arrogant“ bezeichnet und er habe viel Neid gespürt, als sie von seinen unternehmerischen Aktivitäten hörten. Wo will er mit 18 Jahren als Unternehmer stehen? Die Antwort kommt prompt: „Ein Team von Mitarbeitern, mehr Einnahmen, mehr Sichtbarkeit der Firma und eine internationale Ausrichtung.“ In einem ist sich Conner aber schon jetzt ganz sicher: „Eines Tages werde ich auch die Firma meines Vaters übernehmen.“
Autor: Jörn Arfs
Veröffentlicht: Januar 2025