Kiel: Modernes Führen bei knk

"Bei uns ist alles freiwillig"

Dorothee Werner ist CEO bei knk. Mit welchem Verständnis sie das Unternehmen führt und was in Veränderungsprozessen in einem Betrieb entscheidend ist, verrät sie im Interview.
Dorothee Werner knk Gruppe

Wie würden Sie den Führungsstil innerhalb der knk Group beschreiben, und welche Prinzipien sind Ihnen dabei besonders wichtig?

Wir befinden uns aktuell in einem spannenden Wandel hin zu einer dezentralen und weitgehend selbstorganisierten Struktur. Mein Ziel ist es, mit meinen Kolleginnen und Kollegen Entscheidungsspielräume zu entwickeln die einerseits Selbstbestimmung, Wirksamkeit, Kreativität und komplexe situative Lösungen ermöglichen. Andererseits müssen Sicherheit, gemeinsame Werte und Strategie sowie ein gut erkennbarer Markenkern für alle gewährleistet werden. Wann immer dieser Spagat funktioniert, finden wir besonders gute Lösungen.
Partizipation ist dabei das triviale, etwas anstrengende und zähe Erfolgsrezept: Sei es durch Shadow Boards, über die junge Talente die Möglichkeit haben, die strategische Arbeit mitzuerleben und zu gestalten, oder durch regelmäßige Kommunikations- und Feedbackformate. Mir ist es wichtig, dass alle, die wollen und können, aktiv an der Weiterentwicklung des Unternehmens beteiligt sind und ihre Ideen einbringen können. Es ist genauso in Ordnung zu sagen: “Ich will mich nicht beteiligen” oder “Meine Kollegin weiß, was ich brauche, und beteiligt sich auch gerne”. Zwang zur Mitgestaltung funktioniert genauso wenig wie Mitgestaltung ohne gewisse Kompetenzen wie z.B. Konfliktfähigkeit. Bei uns ist alles freiwillig.

Als studierte Philosophin und gelernte Buchhändlerin bringen Sie einen vielfältigen Hintergrund mit. Wie beeinflusst diese Kombination Ihre Herangehensweise an Unternehmensführung und Entscheidungsfindung?

“Ich weiß, dass ich nichts weiß”. Philosophie ist vor allem die Kunst des Fragens. Dies hilft mir mir dabei, Herausforderungen aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten und zu hinterfragen – nicht nur aus wirtschaftlicher, sondern auch aus kultureller und gesellschaftlicher Sicht. Diese Veränderungs- und Reflexionsbereitschaft ist ein zentraler Bestandteil meines Führungsstils. Zudem bin ich überzeugt, dass unterschiedliche Erfahrungen und Blickwinkel unser größtes Kapital sind – aber auch eine große Herausforderung. Vielfalt stärkt unsere Teams, fördert Innovation und führt zu zukunftsorientierten Lösungen. Deshalb setzen wir bewusst auf eine Unternehmenskultur, die diverse Lebensläufe unterstützt und fachübergreifende Entscheidungsfindung ermöglicht.
Die Vielfalt schätzen und eine fragende Haltung einnehmen hört sich toll an. Meist ist das aber keineswegs bequem. Immer wieder höre ich: Jetzt musst Du mal auf den Tisch hauen, da musst Du Druck machen, sag doch jetzt mal genau, was das für mich bedeutet und was ich machen soll. Ich habe die Macht das zu tun und nutze sie auch manchmal. Gleichzeitig will ich, dass möglichst viele Mitarbeitende auch diese fragende Haltung einnehmen, dass sie Vielfalt schätzen und situativ führen (bzw. Verantwortung übernehmen). Nur so entscheiden wir als Organisation gleichzeitig schnell und komplex. Die Lösung dafür ist eine gemeinsame Philosophie und eine gemeinsame Haltung.

In Ihrer vorherigen Rolle als Chief Change Officer lag Ihr Fokus auf Mitarbeiter- und Organisationsentwicklung. Wie beeinflusst diese Erfahrung Ihre aktuelle Führungsphilosophie?

Diese Erfahrung hat mir eine noch stärkere Mitarbeiterperspektive gegeben. Themen wie die zukunftsfähige Organisation und die kontinuierliche Weiterentwicklung unserer Unternehmenskultur sind mir besonders wichtig. Mein Ziel ist es, ein Arbeitsumfeld zu schaffen, das flexibel und innovativ ist und gleichzeitig den Menschen in den Mittelpunkt stellt.

Die knk Group betreut über 450 Verlagskunden weltweit. Wie stellen Sie sicher, dass Ihr Team in einem so dynamischen Umfeld agil und innovativ bleibt?

Wir setzen stark auf selbstorganisierte Teams, die eigenverantwortlich und flexibel arbeiten. Unser überfachliches Kompetenzmodell sowie regelmäßige Lernsprints helfen uns, kontinuierlich neues Wissen aufzubauen und anzuwenden. Wissensaustausch ist dabei ein zentraler Bestandteil unserer Kultur: Durch team- und abteilungsübergreifende Check-ins sowie gezielte Formate zur internen Vernetzung stellen wir sicher, dass Ideen und Best Practices schnell geteilt werden. Vernetzung geschieht dabei natürlich auch mit unseren Kunden, Partnern wie Microsoft aber auch anderen Netzwerken wie überregional Fachverbänden und regional wie die DiWiSH.

Sie erwähnten in einem früheren Interview, dass Sie Fachkarrieren etabliert haben und Modelle wie Job Sharing und neue Arbeitszeitmodelle in Betracht ziehen. Welche Erfahrungen haben Sie bisher mit diesen New-Work-Konzepten gemacht?

Unsere Erfahrungen mit diesen Konzepten sind durchweg positiv. Sie sorgen für mehr Flexibilität und steigern die Zufriedenheit unserer Mitarbeitenden. Besonders Fachkarrieren und kompetenzbasierte Weiterbildung – begleitet von einem agilen Lerncoach - sind mittlerweile fest in unserer Unternehmenskultur verankert. In unseren selbstorganisierten Teams kann jeder Verantwortung auf eine Weise übernehmen, die zu den individuellen Stärken passt und auch zur jeweiligen Lebenssituation. Das führt nicht nur zu besseren Ergebnissen, sondern auch zu mehr Eigeninitiative, Verantwortungsübernahme und einer höheren Motivation sowie Identifikation mit dem Unternehmen.

Welche Ratschläge würden Sie anderen Unternehmerinnen und Unternehmern geben, die ihre Organisationen in Zeiten des Wandels erfolgreich führen möchten?

Auf Ratschläge versuche ich zu verzichten. Ich würde vielmehr Austausch auf Augenhöhe anbieten, unsere Erfahrungen und Fragestellungen teilen, von unserem Scheitern und unserer Angst erzählen, sowie die erhebenden Momente der Rückschau und der kleinen Erfolge beschreiben. Ich kann helfen Mut zu machen, relevante Fragestellungen zu entwickeln und ich weiß mittlerweile ganz gut, was im Werkzeugkasten sein muss, damit die Reise in die Zukunft nicht bei der ersten Überraschung endet. Wir selbst sind auch so vorgegangen, dass wir uns immer wieder Best Practices aus anderen Unternehmen in Form von kleinen Lightning-Talks und Impulsen reingeholt haben.
Uns haben dabei auch ganz besonders Innovations- und Transformationsexperten von launchlabs geholfen. Seit 2024 arbeiten wir eng zusammen, um maßgeschneiderte Beratungsprodukte und Services zu entwickeln, die Medienunternehmen bei erfolgreichen Veränderungsprozessen unterstützen. Viele dieser Ansätze sind branchenübergreifend anwendbar, denn trotz unterschiedlicher Ausprägungen stehen Unternehmen oft vor den gleichen Herausforderungen. Unsere Erfahrung zeigt, dass schnelles Ausprobieren, der Mut zu “safe enough to try” ein entscheidender Erfolgsfaktor ist – kleine, iterative Schritte helfen, Risiken zu minimieren und Lernkurven zu beschleunigen. Da wir selbst in diesem Bereich viel experimentiert und wertvolle Erfahrungen gesammelt haben, setzen wir bewusst auf innovative, schnell umsetzbare Lösungen.
Führung sollte dabei stets dynamisch bleiben und sich an die jeweilige Phase des Unternehmens anpassen. Es gibt keine Einheitslösung – Flexibilität und situatives Führen sind essenziell. Besonders in Zeiten des Wandels bietet ein agiler Führungsstil oft Vorteile. Hierbei liegt der Fokus auf Überfachlichem: Führung sollte Kommunikation, Reflexions- und Veränderungsbereitschaft und Initiative und Verantwortungsübernahme fördern. Darum ist es in solchen Phasen ebenso wichtig, Mitarbeitende aktiv in Entscheidungsprozesse einzubinden, anstatt sie vor vollendete Tatsachen zu stellen. Ein gemeinschaftlicher Ansatz fördert Innovation, steigert Akzeptanz wie Engagement und ist das beste Medikament gegen zu einfache Lösungen. Die beiden Nebenwirkung sind: Es bleibt anstrengend für den Kopf und Mann wie Frau sind sich nie ganz sicher…
Interview: Julia Romanowski
Veröffentlicht: März 2025