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Wie Unternehmen aus der Region KI nutzen
Moderne Technologien spielen in unserer digitalisierten Welt eine entscheidende Rolle für die Weiterentwicklung von Unternehmen und deren Produkten. Besonders die Künstliche Intelligenz (KI) hat sich in den letzten Jahren zu einem unverzichtbaren Werkzeug entwickelt, das in verschiedensten Bereichen Anwendung findet. Ob in der Industrie, in der Pflege oder im Marketing – KI bietet zahlreiche Potenziale, um Prozesse zu optimieren, Innovationen voranzutreiben und Effizienz zu steigern. Doch wie genau wird KI in der Praxis eingesetzt? Welche konkreten Anwendungen bringen bereits heute Mehrwert und wo liegen die Herausforderungen? Fünf Verantwortliche aus regionalen Unternehmen geben Einblicke in den vielseitigen Einsatz von KI in ihren Betrieben. Und Übrigens: Dieser Vorspann wurde mit Hilfe von ChatGPT erstellt.
“KI sorgt für Erleichterung”
© Andreas Tamme
„Unsere Telefonzentrale erreichen etwa 1.000 Anrufe pro Woche. Das war für unser Team nicht mehr zu schaffen und hat nicht nur bei den Mitarbeitenden für Frust gesorgt, sondern natürlich auch bei den Anrufenden, die entweder lange in einer Warteschleife hingen oder uns im schlimmsten Fall gar nicht erreicht haben. Hinzu kommt die äußerst schwierige Personalsuche für die Tätigkeit in der Telefonzentrale. Wir haben im Sommer daher angefangen, eine KI-Telefonassistenz auszuprobieren. Die KI erfragt das Thema sowie erste wichtige Informationen wie etwa die Rechnungsnummer, wenn es um Fragen zu einer Rechnung geht. Die KI erfragt außerdem, wann ein Rückruf erfolgen kann. Danach fasst die KI alle Information zu einer Notiz zusammen. Diese kann das Team dann nach und nach abarbeiten. Die ersten Reaktionen waren durchweg positiv, sowohl von Mitarbeitenden als auch von unserer Kundschaft. Viele sind überrascht, wie angenehm und wenig technisch das Gespräch mit der KI wirkt. Der Nutzen überzeugt nicht nur rational, sondern auch emotional – weil die Situation vorher frustrierend war und die KI für Erleichterung sorgt.“
Bettina Tews-Harms, Inhaberin und Geschäftsführerin des Ambulanten Pflegedienstes Bettina Harms GmbH
“Einsparpotenzial bei der frühzeitigen Erkennung von Qualitätsabweichungen”
© Andreas Tamme
„Wir entwickeln Systeme und Sensoren zur Überwachung von Produktionsprozessen in der Zerspanung vor allem in den Bereichen Luftfahrt, Automotive, Medizin und der Zuliefererindustrie. Hier untersuchen wir derzeit verschiedene Methoden des maschinellen Lernens und arbeiten dabei eng mit der Leuphana Universität Lüneburg, dem Institut für Fertigungstechnik und Werkzeugmaschinen (IFW) der Leibniz Universität Hannover, dem Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) sowie dem Kompetenzzentrum Green ICT aus dem Fraunhofer-Verbund Mikroelektronik zusammen. An vielen Stellen fehlt es aber noch an der Kennzeichnung der Daten, um die KI einzutrainieren und in unsere Produkte zu integrieren. Wo wir aber kurzfristig gute Möglichkeiten für den Einsatz von KI sehen, ist bei unserer Software für das Energiemanagement, die auch auf der Liste förderfähiger Software vom BAFA gelistet ist. Hier erwarten wir durch Ansätze der KI erhebliches Einsparpotenzial bei der frühzeitigen Erkennung von Qualitätsabweichungen und der Vermeidung von Spitzenlasten, dem sogenannten Peak Shaving.“
Prof. Dr.-Ing. Dirk Lange, Leiter Forschung und Entwicklung, Marposs Monitoring Solutions GmbH
“KI übernimmt Routineaufgaben”
© Andreas Tamme
„Ich bin sehr IT-affin, probiere gern neue Tools aus und setze mich mit den Entwicklungen im KI-Bereich intensiv auseinander. Ich erprobe aktuell Microsoft Copilot, insbesondere für die Content-Generierung, um Texte und Dokumente effizienter zu erstellen. Außerdem lief in unseren Teammeetings bereits die KI FireFlies mit. Die Anwendung liefert eine gute Zusammenfassung, kann priorisieren und To-dos für einzelne Beteiligte erstellen. Ziemlich begeistert bin ich von den Prozessbeschreibungen, die ich mit Scribe erstellt habe: Das Tool fasst die einzelnen Klicks und Schritte auf dem Computer für Arbeitsanweisungen detailgenau zusammen, ergänzt Überschriften und Screenshots. Als nächstes schwebt mir eine interne Wissensdatenbank vor, die unser Onboarding von Mitarbeitenden optimieren könnte. Das Experimentieren mit KI ist das eine, die partizipative Gestaltung und Implementierung von KI bei allen 40 Mitarbeitenden etwas anderes. Um den konkreten praktischen Nutzen ausschöpfen zu können, muss KI auch rechtssicher angewendet werden, die Mitarbeitenden müssen geschult werden. Dies vorausgesetzt, bin ich überzeugt, dass KI Prozesse beschleunigen wird. Und wenn KI Routineaufgaben übernimmt, haben Menschen mehr Kapazität für wertschöpfende Aufgaben.“
Sofie Agergaard-Wendel, Prokuristin der Agergaard-Gruppe
“Große Hilfe bei der Ausarbeitung von Entwürfen für Fachvorträge”
© Hans-Jürgen Wege
„Wir entwickeln applikations- und kundenspezifische Systeme vor allem in den Bereichen Automotive und Schwerindustrie. KI nutzen wir seit mehr als sechs Jahren. In der hauseigenen Programmierung zum Beispiel setzen wir KI in der Realisierung von Standardaufgaben ein sowie zur Fehlersuche und Code-Optimierung. Im Bereich Marketing nutzen wir KI unter anderem in den Bereichen Social Media und Mailings, um Textentwürfe zu generieren. Mit der Betonung auf Entwürfe: Würden wir die KI alle Texte schreiben lassen, hätten wir in zwei Wochen sämtliche Follower verloren. Eine große Hilfe ist KI auch bei der Konzepterstellung und Ausarbeitung von Entwürfen für Fachvorträge. Machine Learning setzen wir im Bereich unserer Systemlösungen ein, dabei entwickeln wir Algorithmen zur Anomalienerkennung und nutzen KI in Code-Readern und virtuellen Sensoren. Außerdem lassen wir KI durch die Kombination verschiedener Informationen und Daten die Qualität von Produktionsprozessen bewerten. Das Ende des Einsatzes von KI ist für unsere Kunden meist erreicht, wenn es um cloudbasierte Daten oder Systeme geht. Die Gefahr von Cyberkriminalität ist dann viel zu groß.“
Michael Selent, Geschäftsführender Gesellschafter der Selmatec Systems GmbH
“Mit KI lassen wir uns EU-Richtlinien zusammenfassen”
© Andreas Tamme
„Wir sind Mitglied der Arbeitsgruppe ML Produktion der Leuphana Universität Lüneburg. ML steht für Machine Learning. Eine Masterarbeit im Jahr 2022 behandelte die Entwicklung eines KI-gestützten Modells zur Bestimmung von Lieferterminen für einen mittelständischen Werkstattfertiger, also uns. Wir stellen Kleinserien und Einzelteile aus Kunststoff, Gummi und Schaum her. Das Ziel war, herauszufinden, ob eine KI aufgrund analysierter Daten aus den vergangenen drei Jahren etwa 30 Tage in die Zukunft blicken kann, um die Termintreue zu verbessern. Das Ergebnis: Es war möglich. Um die Modelle selbst dauerhaft nutzen zu können, wären allerdings Hardware-Kapazitäten nötig, über die wir nicht verfügen. Trotzdem interessiert uns das Thema weiterhin, und gemeinsam mit der Leuphana arbeiten wir derzeit an einem zweiten, fortführenden Projekt. Wir selbst beschäftigen uns mit KI seit 2021 und nutzen vor allem ChatGPT und Copilot. Damit testen wir Fragestellungen wie Übersetzungen ins Englische, Erstellung von 8D-Reports in der Qualitätssicherung und Berechnung von Prüfmittelfähigkeitsuntersuchungen. Außerdem lassen wir uns EU-Richtlinien zusammenfassen und daraus resultierende Handlungsempfehlungen geben. Das funktioniert pragmatisch und sehr gut. Eines aber muss bei der Nutzung von KI immer bedacht werden: niemals personenbezogene Daten in die Software eingeben!“
Nico Bernitzky, Prokurist der HIRI-Hildebrand und Richter & Co. Fabrik für technische Gummi- und Kunststoffspezialitäten GmbH
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