Pressemitteilung 8. Mai 2024

Außenhandel: 80 Prozent der Unternehmen durch hausgemachte Handelshemmnisse ausgebremst

IHK-Studie „Going International“: Mehrheit der Südwestunternehmen meldet Zunahme der Handelsbarrieren


Inzwischen sieht sich eine deutliche Mehrheit der Unternehmen in Baden-Württemberg durch zunehmende Handelshemmnissen bei ihren Auslandsgeschäften belastet. 62 Prozent der Unternehmen spürten in den vergangenen zwölf Monaten einen Anstieg der Handelshemmnisse bei ihren internationalen Geschäften. Vor zehn Jahren waren es noch 33 Prozent.
Das geht aus der aktuellen Umfrage „Going International“ unter rund 230 auslandsaktiven Südwestunternehmen hervor, welche die IHK Stuttgart ausgewertet hat.

Handelskonflikte, Kriege und lokale Anforderungen nehmen zu

Geopolitische Verwerfungen und Handelskonflikte – aber auch zunehmende Zertifizierungs- und Sicherheitsanforderungen erschweren und verteuern den grenzüberschreitenden Handel mit vielen Ländern. Sanktionen waren mit 63 Prozent der Nennungen die häufigsten Hürden, gefolgt von verstärkten Sicherheitsanforderungen (54 Prozent), lokalen Zertifizierungsanforderungen (46 Prozent) und der Unsicherheit durch intransparente Gesetzgebung (34 Prozent).

„Hausgemachte“ Handelsbarrieren aus Deutschland und Europa

Doch nicht nur Handelsbarrieren „von außen“ verhindern, dass die Südwestwirtschaft von der zumindest moderat wachsenden Weltwirtschaft profitieren kann – und bewirken, dass sie insgesamt pessimistisch auf die kommenden Monate blickt.
„Viele unserer Handelshemmnisse sind hausgemacht“, erklärt Tassilo Zywietz, Geschäftsführer der Abteilung Außenwirtschaft der in Außenhandelsfragen landesweit federführenden IHK Stuttgart. „Vier von fünf Unternehmen – ganze 80 Prozent – beklagen bürokratische Hürden aus Deutschland und Europa bei ihren Auslandsgeschäften. Das drückt auf die dringend erforderliche Erholung unserer Exportumsätze. Und schwächt die durch hohe Energiekosten und strukturelle Probleme belastete internationale Wettbewerbsfähigkeit unserer Industrie zusätzlich.“
66 Prozent dieser von internen Herausforderungen betroffenen Südwestunternehmen haben Probleme bei der Abwicklung ihres Auslandsgeschäfts, beispielsweise durch lange Genehmigungszeiten des Bundesamts für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle oder durch komplexe Verfahren bei der Zollabwicklung. Von 61 Prozent werden bürokratische Hürden und Unsicherheit bei der Umsetzung von Regulierungen, etwa beim CO2-Grenzausgleichsystem CBAM (Carbon Border Adjustment Mechanism) oder beim Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz genannt.

Forderung nach Bürokratieabbau in der Außenwirtschaft für Exportaufschwung

„Die Südwestwirtschaft hat das vergangene Jahr mit einem Exportminus von rund sieben Prozent abgeschlossen“, so Tassilo Zywietz. „Der Handel mit den wichtigsten Zielregionen war rückläufig. Und die mit minus vier Prozent weiterhin negative Exportbilanz vom Januar und Februar 2024 zeigt keine wirkliche Erholung an. Diese Entwicklung ist besorgniserregend und wir brauchen dringend einen Abbau dieser bürokratischen Hürden in der Außenwirtschaft!“
Das globale Umfeld sei für Baden-Württembergs Unternehmen bereits schwierig genug, ergänzt der Geschäftsführer Außenwirtschaft der IHK Stuttgart. Man müsse die Unternehmen nicht noch zusätzlich durch immer mehr Bürokratie im Außenhandel behindern.

Hintergrundinformationen

Die kompletten Umfrageergebnisse der Going International für Baden-Württemberg mit Vergleichen zu den Vorjahren und den BRD-Ergebnissen finden Sie im Onlinebereich der Außenwirtschaft der IHK Region Stuttgart.